Vom Krankheitsystem zum
Gesundheitssystem
Das österreichische Gesundheitssystem steht verstärkt im Fokus, insbesondere seit der Corona-Pandemie. Versäumnisse und Einsparungen im System wurden deutlich, ohne dass sich die Arbeitsbedingungen verbesserten. Der Personalmangel verschärft sich: Dienste bleiben unbesetzt, Betten werden gesperrt oder auf den Gang verlegt, Operationen verschoben, und Wartezeiten für Untersuchungen und akute Fälle verlängern sich. Dieser Mangel betrifft alle Berufsgruppen, sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelassenen Bereich.
Schon in der Ausbildung zeigt sich der Personalmangel. Studierende arbeiten in unterbesetzten Teams und absolvieren oft unbezahlte Praktika. Diese Leistungen ersetzen oft reguläre Arbeitskräfte, obwohl Studierende dafür keine Vergütung erhalten. Die Ausbildung neuer Fachkräfte erfordert Zeitressourcen, die angesichts des Mangels oft fehlen, was die Ausbildungsqualität beeinträchtigt.
In der Pflege ist der Mangel besonders kritisch: Viele ausgebildete Pflegekräfte arbeiten in anderen Berufen, da die Arbeitsbedingungen unattraktiv sind – hohe Verantwortung, niedrige Gehälter und unflexible Schichtdienste. Die Situation wird durch den Fokus des Systems auf Kuration verschärft, während Prävention und Gesundheitsförderung unzureichend berücksichtigt werden. Diese sollten früh, bereits im Kindergarten, vermittelt und über alle Schultypen hinweg gestärkt werden.
Der neue Eltern-Kind-Pass enthält gute Ansätze, ist jedoch noch ausbaufähig, insbesondere in der Einbindung verschiedener Gesundheitsberufe. Auch die Frauengesundheit braucht dringend Verbesserungen – es fehlt an flächendeckender gynäkologischer Versorgung und an Berücksichtigung frauenspezifischer Erkrankungen in der Ausbildung.
Die psychische Gesundheit wird ebenfalls vernachlässigt und oft tabuisiert. Die Versorgung ist weder flächendeckend noch bezahlbar, und der Mangel an Fachkräften führt dazu, dass Behandlungen nicht patientengerecht erfolgen können. Besonders im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind die Defizite gravierend.
Gesundheit für Alle!
Wir als Junge Generation fordern ein Gesundheitssystem, welches nicht nur jenen Menschen in Österreich zugutekommt, die große finanzielle Rücklagen haben und sich private Leistungen finanzieren können, sondern wir fordern ein System für alle Menschen in Österreich. An der österreichischen Gesundheitsbefragung 2014 lässt sich deutlich erkennen, Menschen leiden eher dann an chronischen Krankheiten, wenn sie eine niedrige Einkommensquelle besitzen. Je weniger Menschen in Österreich verdienen, desto kränker sind sie im Vergleich. Bemessen lässt sich dies auch am Bildungsabschluss. Je niedriger der Bildungsabschluss, desto schlechter der gesundheitliche Zustand. Die Schere zwischen Arm und Reich soll daher vor allem hier geschlossen werden, um allen Menschen ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen, unabhängig von dem Grad an Bildung oder der finanziellen Rücklagen.
Prävention & Gesundheitsförderung
Investitionen in Prävention und Gesundheitsförderung sind gut angelegtes Geld, das die Lebensqualität der Bevölkerung steigert. Es ist wichtig, dass diese Maßnahmen einfach zugänglich und unabhängig vom Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten sind, damit alle Menschen überzeugt werden, sich um ihre Gesundheit zu kümmern.
Gesundheitskompetenz sollte bereits im Kindergarten spielerisch gefördert und in den Lehrplänen aller Schulen verankert werden. So kann die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen und einem gesunden Lebensstil schon früh vermittelt werden. Ein jährlicher „Gesundenuntersuchung“-Termin sollte zur Normalität werden.
Vermehrte präventive Maßnahmen sollen Erkrankungen vorbeugen und Kosten durch Behandlungen senken. Dazu gehören die Primärprävention (Schutz vor Krankheiten), Sekundärprävention (Früherkennung) und Tertiärprävention (Rehabilitation). Der Fokus sollte künftig stärker auf die ersten beiden Stufen liegen, um die Entstehung von Krankheiten zu verhindern. Wir wollen ein Gesundheitssystem, das die Menschen aufklärt und gesund hält, bevor Krankheiten entstehen.
Kindergesundheit von Anfang an fördern
Der Eltern-Kind-Pass wurde kürzlich modernisiert, aber es gibt weiteres Verbesserungspotential. Die Leistungen sollten breiter aufgestellt und an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden, um Kindergesundheit und Prävention zu fördern. Untersuchungen sollten flächendeckend durchgeführt werden, und Auffälligkeiten im Screening direkt und unkompliziert an Fachtherapeut*innen weitergeleitet werden, sodass Behandlungen auch in ländlichen Regionen einfach verfügbar sind. Projekte wie „Gesund aus der Krise“, die ohne Zwischeninstanzen direkt mit Behandler*innen abrechnen, könnten als Vorbild dienen.
Eine Integration der medizinisch-technischen Dienste (MTD) in den Eltern-Kind-Pass würde eine umfassende Begutachtung der kindlichen Entwicklung in Bereichen wie Sprache, Motorik und Kognition ermöglichen. Spezifische Schulungen für das ärztliche Personal würden die Sensibilität in den Screenings verbessern und eine direkte Überweisung an die jeweiligen Spezialist*innen erlauben, was die Gesundheitsversorgung entlasten würde.
Mentale Gesundheit
Wir setzen uns für eine bessere Integration von psychischer Gesundheit in die primäre Gesundheitsversorgung ein, um eine umfassende Betreuung zu gewährleisten. Psychische Gesundheit wird in Österreich noch oft vernachlässigt und stigmatisiert, obwohl psychische und physische Gesundheit eng verknüpft sind. Depressionen gehören zu den häufigsten chronischen Leiden und betreffen rund 8 Prozent der Bevölkerung – Frauen sind dabei doppelt so oft betroffen wie Männer. Psychische Leiden gehören in Europa zu den Hauptursachen für Krankschreibungen und Frühpensionierungen. Laut Österreichischer Sozialversicherung nutzten etwa 900.000 Menschen innerhalb eines Jahres das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen. Die WHO schätzt, dass Depressionen bis 2030 weltweit eine der führenden Ursachen für Erwerbsunfähigkeit sein werden. Auch die Pensionsversicherungsanstalt bestätigt, dass frühzeitige Pensionierungen aufgrund psychischer Erkrankungen zunehmen. Versorgungslücken wachsen, besonders für einkommensschwache Menschen, was von Fachleuten als fehlende Strategie kritisiert wird. Auch der Einfluss von psychotropem Substanzmissbrauch wird oft übersehen – dieser kann psychische Erkrankungen sowohl verursachen als auch begleiten.
Als Junge Generation fordern wir daher den Ausbau von Anlaufstellen hinsichtlich psychischer Gesundheit. Dazu zählen mehr Psychotherapie-Plätze, psychosoziale Beratungsstellen und die Ressourcen Aufstockung in Psychiatrien. Zudem braucht es mehr präventive Arbeit, z.B. im Rahmen von Aufklärung an Schulen, Coachings im Arbeitsumfeld sowie durch Förderung von Familiensupport, insbesondere für einkommensschwache Familien. Für bereits laufende Programme wie Telefonseelsorge oder Rat auf Draht soll mehr Bewusstsein geschaffen werden. Zudem fordern wir nach Investitionen in digitale Plattformen, um breit zugängliche Ressourcen für die mentale Gesundheit anzubieten. Besonderes Augenmerk soll zudem auf das Land Stadt Gefälle gelegt werden, da die psychische Versorgung im ländlichen Raum sehr ausbaufähig ist. Wir fordern zudem nach Programmen, die auf Früherkennung und Intervention bei psychischen Gesundheitsproblemen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen abzielen.