Gleiches Recht für alle Geschlechter
Unsere Gesellschaft ist nach wie vor von patriarchalen Strukturen geprägt, die Frauen benachteiligen und ihre Gleichstellung behindern. Trotz bedeutender Fortschritte seit den 1970er-Jahren, die durch die Zusammenarbeit von Sozialdemokratie und Frauenbewegung erreicht wurden – wie die rechtliche Gleichstellung im Ehegesetz, Kollektivverträgen, dem Gewaltschutzgesetz und dem Gleichbehandlungsrecht – bleibt die Gleichstellung unvollendet. Um die soziale Gleichstellung zu erreichen, müssen wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen sowie unausgesprochene Normen grundlegend verändert werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Als Sozialdemokrat*innen setzen wir uns daher für Einkommens- und Verteilungsgleichheit ein und kämpfen gegen Diskriminierungen. Frauenquoten sind dabei eine Maßnahme, um bestehende Männerquoten in Schlüsselpositionen aufzubrechen.
Das Ziel unseres politischen Bemühens ist eine Gesellschaft, in der es weder Ausbeutung durch eine herrschende Klasse, noch Unterdrückung und Ausgrenzung aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht, Migrationshintergrund, Behinderung usw. gibt.Intersektionaler Feminismus hilft, die komplexen Formen der Unterdrückung zu verstehen und zu bekämpfen, damit alle Menschen gleiche Chancen haben.
Intersektionaler Feminismus
Intersektionaler Feminismus setzt sich für alle Gruppen ein, die durch das Patriarchat und den Kapitalismus benachteiligt werden. Unser Fokus liegt auf der Anerkennung der Verflechtung verschiedener Diskriminierungsformen, da diese zu unterschiedlichen Erfahrungen führen. Ein intersektionaler Ansatz kritisiert das kapitalistisch-patriarchale System als Ganzes, da punktuelle Maßnahmen allein nicht ausreichen.
Wir verurteilen ganz klar Sexismus und Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung. Unser Feminismus berücksichtigt die Bedürfnisse der LGBTIQA*-Community (Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter-, Queere und Asexuelle Personen). Denn Menschen, die nicht geschlechterstereotypen Erwartungen entsprechen, werden in vielen Bereichen, wie zum Beispiel am Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie bei familienpolitischen Entscheidungen, diskriminiert. Sie sind häufiger Opfer von psychischer oder physischer Gewalt.
Wir erkennen die Bedürfnisse von Frauen aller ethnischen und religiösen Gruppen an und machen ihren Kampf zu unserem gemeinsamen Kampf. Frauen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft sind vielseitiger Diskriminierung ausgesetzt. Frauen mit einem erkennbaren Migrationshintergrund (z.B. aufgrund ihrer Hautfarbe oder des Tragens eines Hijabs) werden fast doppelt so oft bei der Arbeitssuche oder am Wohnungsmarkt benachteiligt. Auch im staatlichen Bereich schlägt sich rassistische Gewalt in Form von Racial Profiling und einem erhöhten Maß an Polizeigewalt nieder.
Wir setzen uns für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen mit Behinderung und Sichtbarkeit im feministischen Diskurs ein. Sie sind häufig verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt. Insbesondere Frauen, die bei der Körperpflege auf Unterstützung angewiesen sind, werden häufig Opfer sexualisierter Gewalt.
Wir engagieren uns gegen Klassismus und legen einen Schwerpunkt auf Bildungsarbeit, um Sensibilität für Klassismus zu verbreiten und emanzipatorische Strategien zu entwickeln. Klassismus betrifft Frauen stärker, da sie im Durchschnitt weniger verdienen, mehr unbezahlte Arbeit leisten und von Altersarmut bedroht sind. Gewichtsdiskriminierung und Fettphobie haben ihren Ursprung in rassistischen Schönheitsidealen und führen zu Diskriminierung in vielen Lebensbereichen. Wir sind gegen die Stigmatisierung der Körpergröße und setzen uns für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von mehrgewichtigen Menschen ein. Altersdiskriminierung trifft Frauen besonders im Hinblick auf Altersarmut und Gewalt in Abhängigkeiten. Sensibilisierung und Prävention sind daher in diesem Bereich von entscheidender Bedeutung.
Wir erkennen auch an, dass die Diskriminierung, der Frauen in der Stadt und auf dem Land ausgesetzt sind, sich erheblich unterscheidet. Außerhalb der Ballungsräume sind Frauen schlechter bezahlt, seltener an Entscheidungsprozessen beteiligt und weniger vor Gewalt geschützt. Auffallend ist auch, dass es im ländlichen Raum häufig an Kinderbetreuungseinrichtungen mangelt, was die klassische Rollenverteilung noch verstärkt. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Stadt-Land-Gefälle ausgeglichen wird – durch Sichtbarmachung und Initiativen für die Gleichstellung von Frauen im ländlichen Raum.
Geschlechtergerechte Bildung
Die Förderung von Frauen in MINT-Berufen sowie Männern in Care-Berufen ist essenziell, um geschlechtsspezifische Berufswahlen zu durchbrechen. Dazu braucht es gezielte Programme, die Frauen den Zugang zu technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungen erleichtern und den Männeranteil in der Elementarbildung erhöhen. Sensibilisierungsmaßnahmen von der Elementarpädagogik bis zur Hochschule sollen diesen Wandel unterstützen.
Gewaltprävention und Sensibilisierungsarbeit sind auf allen Ebenen der Bildung, in Behörden und Organisationen unabdingbar. Konkrete Antigewalttrainings und der Ausbau psychologischer Beratungsangebote für Studierende, besonders zur Unterstützung von Frauen, sind notwendig.
Um jungen Menschen eine selbstbestimmte Auseinandersetzung mit ihrem Körper zu ermöglichen, ist eine umfassende Sexualbildung wichtig. Externe Sexualpädagogik-Workshops schaffen einen geschützten Rahmen, um Themen wie Consent oder sexuelle Ausrichtung zu behandeln. Kooperationen mit Vereinen zur Prävention sexualisierter Gewalt sollen Bewusstsein für Rechte und Pflichten schaffen.
Geschlechtergerechte Sprache und Gleichbehandlung sollen in allen Unterrichtsfächern integriert sein. Der verpflichtende Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen an Hochschulen bietet eine niederschwellige Anlaufstelle für Betroffene und fördert die Gleichstellung.
Gender Medizin
Die Gesundheit von Frauen muss im Zentrum politischer Bemühungen stehen, um Gleichheit und Gerechtigkeit zu fördern. Die Diskrepanzen im Gesundheitswesen sind Ausdruck tiefer gesellschaftlicher Probleme und müssen beseitigt werden. Eine flächendeckende gynäkologische Versorgung muss unbedingt in ganz Österreich gewährleistet sein.
Die medizinische Forschung fokussiert oft auf den männlichen Körper, was zu Versorgungslücken bei Frauen führt. Wir fordern mehr genderspezifische Forschung sowie die Anpassung medizinischer Standards, um Unterschiede in der Behandlung und Prävention zu berücksichtigen. Auch in der Gendermedizin muss die unterschiedliche Symptomatik zwischen den Geschlechtern stärker thematisiert werden. Erkrankungen, die hauptsächlich Frauen betreffen oder bei denen Symptome bei Frauen anders verlaufen, sollten im Medizinstudium und in Gesundheitsberufen mehr Beachtung finden, um den „Gender Health Gap“ zu schließen und genderspezifische Forschung zu fördern. Krankheiten wie Endometriose und Menstruationsgesundheit müssen enttabuisiert werden.
Jede gebärende Person hat ein Recht auf eine gewaltfreie, umfassende Versorgung. Postpartale Depressionen müssen enttabuisiert und ernst genommen werden. Wir setzen uns für den Ausbau zugänglicher Unterstützungsangebote ein.
Fettphobie bedroht die Gesundheit von Frauen durch Stigmatisierung. Ein gesundheitszentriertes Körperbild muss im Vordergrund stehen. Eine vorurteilsfreie medizinische Versorgung für alle Frauen ist essenziell.
Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein Grundrecht. Daher setzen wir uns vehement für den Zugang zu kostenfreien und wohnortnahen Abtreibungen und Verhütungsmitteln ein. Wir setzen uns für eine bundesweite Gewährleistung und kostenlose Beratungsangebote ein. Selbstbestimmte Entscheidungen über Fruchtbarkeit müssen möglich sein. Der Zugang zu Sterilisation, Social Egg Freezing und IVF ohne diskriminierende Hürden ist notwendig. Jede Person sollte unabhängig vom sozioökonomischen Status frei über den Zeitpunkt und die Methode der Fortpflanzung entscheiden können.
Menstruationshygiene ist ein Thema der Würde, nicht des Luxus. Die kostenfreie Bereitstellung von Hygieneartikeln an öffentlichen Orten und Bildungseinrichtungen reduziert die ökonomische Belastung und fördert eine gerechtere Gesellschaft.
Gewaltschutz
In Österreich erlebt jede dritte Frau körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. Die Gründe dafür sind in patriarchalen Strukturen und tief verwurzelten Rollenbildern zu finden, die Hierarchien schaffen und Frauen benachteiligen. Sozioökonomische Faktoren wie Armut und Abhängigkeit erhöhen das Risiko für Gewalt, besonders für Frauen in prekären Verhältnissen oder abhängigen Beziehungen.
Effektive Prävention erfordert eine verstärkte Täterarbeit, um das Verhalten zu verstehen und präventive Ansätze zu entwickeln. Dazu gehört der flächendeckende Ausbau von Männerberatungsstellen mit kostenlosen Therapieangeboten und Antigewalttrainings, unterstützt durch Aufklärungskampagnen. Die Finanzierung von Familienberatungsstellen muss erhöht werden, da sie einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention leisten. Der Opferschutz muss durch die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention gestärkt werden. Das umfasst den Ausbau von Frauenhäusern, Gewaltschutzzentren und Beratungsstellen sowie eine im Budget verankerte Mindestfinanzierung für langfristige Planungssicherheit.
Polizei und Justiz benötigen bessere Schulungen für einen sensiblen Umgang mit Gewaltfällen. Einheitliche Hochrisiko-Fallkonferenzen sollen den Austausch zwischen Justiz, Polizei und Gewaltschutzeinrichtungen fördern. Eine zügige Justiz mit beschleunigten Verfahren und spezifischen Schulungen ist erforderlich. Die Rücknahme der umfassenden Anzeigepflicht für Gesundheitsberufe ist notwendig, um Opfer nicht von der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe abzuhalten. Flächendeckende Gewaltschutzambulanzen mit geschultem Personal sind ebenfalls unerlässlich, um eine bestmögliche Unterstützung sicherzustellen. Diese Maßnahmen erfordern koordinierte Anstrengungen von Politik, Justiz und Gesellschaft, um Gewalt gegen Frauen effektiv zu bekämpfen und deren Schutz nachhaltig zu sichern.