Digital, aber human
Die Digitalisierung birgt enorme Chancen für unsere Gesellschaft. Als junge Sozialdemokrat*innen sehen wir darin eine Möglichkeit, die Welt gerechter, demokratischer und offener zu gestalten. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, müssen jedoch grundlegende Weichen gestellt werden. Eine offene und gerechte Gesellschaft erfordert mutige Schritte hin zu einem Digitalen Humanismus. Bildung, Regulierung, eine nachhaltige Technologiepolitik und der Einsatz von geschlechtergerechter KI sind essentiell, um die Chancen der Digitalisierung im Sinne der Allgemeinheit zu nutzen. Ein fundamentaler Baustein dafür ist das strategische Ziel, dass für die Allgemeinheit und die Bewahrung der Demokratie notwendige digitale Infrastruktur und Services gemeinnützig und transparent verwaltet und betrieben werden müssen.
Digitales Bildungs-Empowerment
Eine moderne Gesellschaft erfordert digitale Kompetenz für alle Generationen. Bildung ist der Schlüssel, um jungen Menschen eine aktive Rolle in einer zunehmend digitalen Welt zu ermöglichen. Für uns als junge Generation ist es wichtig, dass diese Bildung umfassend und zukunftsorientiert ist. Von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter muss digitales Wissen vermittelt werden, das nicht nur technische, sondern auch kreative und kritische Fähigkeiten fördert. Digitale Bildung muss breit gefächert und altersgerecht sein und darf sich nicht auf das Vermitteln von technischen Grundlagen beschränken. Vielmehr sollte sie dazu beitragen, vernetztes Denken, Problemlösungskompetenzen und die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit digitalen Inhalten zu fördern. Dies umfasst auch die Schulung im Umgang mit digitalen Tools und Plattformen sowie das Verständnis der sozialen und ethischen Implikationen digitaler Technologien. Ein umfassendes Bildungskonzept sorgt dafür, dass alle Mitglieder der Gesellschaft in der Lage sind, informierte Entscheidungen zu treffen und ihr Potenzial zu entfalten. Es ist notwendig, unser Bildungssystem langfristig entlang dieser Leitlinien umzustellen, um allen einen gerechten Zugang zu Technologien und Ressourcen zu ermöglichen. Bildungseinrichtungen müssen mit den nötigen Ressourcen ausgestattet und Lehrkräfte entsprechend weitergebildet werden, um den Anforderungen einer digitalen Welt gerecht zu werden. Zudem ist die Förderung von Medienkompetenz zentral, um Desinformation und Manipulation entgegenzuwirken. Langfristig ist dafür der Aufbau eines offenen, freien Software-Ökosystems für Bildungsinhalte und -innovationen ein strategisches Fundament. Erst dadurch kann das in der Bevölkerung und unter Expertinnen im Übermaß vorhandene Potential, Talent und Wissen für diesen Bereich wirksam aktiviert werden.
Plattformregulierung und Transparenz
Die unkontrollierte Profitlogik, die den digitalen Raum dominiert, hat gesellschaftliche Spaltungen verschärft. Plattformen müssen transparent und verantwortungsvoll handeln, um eine faire Debattenkultur zu gewährleisten. Dies geschieht derzeit kaum bis gar nicht. Als Sozialdemokrat*innen streben wir an, dass diese notwendige Transparenz die Grundlage für eine demokratische und gerechte Gesellschaft bildet. Die aktuellen Strukturen begünstigen Monopole und eine Konzentration von Macht in den Händen weniger Akteure. Das führt unter anderem zu einer gefährlichen Verzerrung des öffentlichen Diskurses. Eine strikte Regulierung von Algorithmen ist notwendig, um sicherzustellen, dass Inhalte fair und ausgewogen präsentiert werden. Transparenzpflichten sind entscheidend, damit die Mechanismen, die die Sichtbarkeit und Verbreitung von Inhalten steuern, offengelegt werden. Dazu gehört auch eine früh greifende Haftung von Unternehmensführungen, um sicherzustellen, dass diese für die negativen Auswirkungen ihrer Plattformen auf die Gesellschaft auch wirklich zur Rechenschaft gezogen werden. Steuerschlupflöcher, die es großen digitalen Konzernen erlauben, ihre Gewinne zu maximieren, ohne einen angemessenen Beitrag zur Allgemeinheit zu leisten, müssen geschlossen werden. Eine faire Verteilung von Ressourcen ist nur möglich, wenn digitale Unternehmen ihren gerechten Anteil leisten. Es bedarf strenger Kontrollen und Sanktionen, um Verstöße gegen entsprechende Transparenz- und Regulierungsrichtlinien zu verhindern. Eine verpflichtende Gemeinnützigkeit für den Betrieb von demokratisch essentiellen Plattformen ist der zentrale Baustein, um Profitgier in diesem Bereich langfristig zu reduzieren. Die Förderung eines pluralistischen, regelbasierten digitalen Raumes, in dem unterschiedliche Stimmen Gehör finden, ist unerlässlich, um den demokratischen Diskurs zu schützen und zu stärken.
Zudem bedarf es robuster Anti-Trust-Mechanismen, die die aktuelle Ballung von medialer Macht aufbrechen und demokratisch verträglicher machen.
Monopole kosten zudem die öffentliche Hand und die Gesellschaft sowohl viel Geld als auch Sicherheit. Um diese Vendor-Lock-Ins aufzubrechen, müssen offene Standards und offene Software gezielt und institutionell entwickelt und gefördert werden. Europäische Datensouveränität sowie ein größerer Teil der europäischen Wertschöpfung können nur so langfristig gestärkt und geschützt werden.
Fairer Einsatz von KI und Automatisierung
Der technologische Fortschritt in KI und Automatisierung birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Für uns als junge Sozialdemokrat*innen ist es entscheidend, dass dieser Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit einhergeht. Hier muss ein konstruktiver, aktiv gesteuerter Kurs gefahren werden. Während Effizienzgewinne und wirtschaftliches Wachstum möglich sind und bleiben müssen, dürfen soziale und wirtschaftliche Auswirkungen nicht vernachlässigt werden. Der zunehmende Einsatz von KI und Automatisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend, indem bestimmte Tätigkeiten obsolet werden und neue Fähigkeiten gefragt sind. Eine nachhaltige Nutzung und eine strikte Regulierung sind notwendig, um die Balance zwischen Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung zu wahren. Dazu gehört die Einführung von Nachhaltigkeitsstandards und weiter ausgebauten Richtlinien für den transparenten Einsatz von Automatisierungstechnologien. Diese Standards sollten den Schutz von Arbeitsplätzen erhöhen und die Schaffung neuer Möglichkeiten für Qualifikationen und Weiterbildung sicherstellen. Außerdem ist eine faire Besteuerung der Gewinne aus automatisierten Prozessen erforderlich, um sicherzustellen, dass diese in fairem Maße auch der Gesellschaft zugutekommen, anstatt nur den oberen 0,1% zuzufließen. Der Einsatz von KI muss strategisch so gestaltet und gesteuert werden, dass er im Gesamtergebnis soziale Ungleichheiten verringert und nicht vertieft. Zusätzlich sollten gezielte Förderprogramme zur Umschulung und Qualifizierung von Arbeitskräften geschaffen werden, um den Wandel sozial abzufedern und Chancengleichheit zu fördern. Die Wichtigkeit der breiten Befähigung von Schüler*innen und Student*innen in diesem Bereich ist selbsterklärend.
Gender-KI – Für eine geschlechtergerechte künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz kann zur Benachteiligung von Frauen beitragen, wenn die Trainingsdaten Vorurteile enthalten – was leider oft der Fall ist. Daher ist hier an zwei Stellen anzusetzen: einerseits müssen KI-Modelle möglichst bias-arm werden, andererseits muss unser Rechtssystem auf stattfindende bias-basierte Ungleichheiten in diesem Bereich bessere Antworten geben können. Gender Biases verstärken bestehende Ungleichheiten, indem sie stereotype Rollenbilder reproduzieren. Ein Beispiel ist der Einsatz von Algorithmen zur Berufsauswahl, die Frauen in der Arbeitswelt benachteiligen können. Ein bekanntes Beispiel ist der AMS-Algorithmus, der Frauen systematisch schlechter bewertete. Auch die Verbreitung von sexistischen Inhalten durch KI-Modelle wie Deepfakes stellt ein ernstes Problem dar, das Persönlichkeitsrechte verletzt. Der Schutz vor solchen Angriffen ist unzureichend, da es auch hier keine ausreichenden gesetzlichen Regelungen gibt. Hier muss es zumindest privatrechtliche Haftungsmodelle und Whistleblower-Anreize geben, die das ökonomische Risiko solcher Handlungen und die Entdeckungswahrscheinlichkeit derart erhöhen, dass eine wirksame Abschreckung erreicht werden kann.
Auch in der Berufswelt könnten KI-generierte Modelle die Jobs realer Frauen ersetzen und somit weiblich dominierte Berufsfelder verdrängen. Dies würde breitflächiger zu wirtschaftlichen Unsicherheiten führen, weshalb sowohl eine geschlechtergerechte Entwicklung und Regulierung von KI als auch entsprechende Re-Qualifizierungsmaßnahmen dringend notwendig sind. Diskriminierung in der Gesichtserkennung, die bei Frauen und insbesondere bei POCs eine hohe Fehlerquote aufweist, muss ebenfalls adressiert und bereinigt werden. Die verpflichtende Nutzung von hohen Standards in den Bereichen Diversität und Inklusion bei der Entwicklung von KI kann dazu beitragen, diese Probleme zu minimieren. Transparente Überprüfungen und strenge Regulierungen sind notwendig, um die Fairness der Algorithmen weitgehend sicherzustellen. Auch hier müssen substantielle privatrechtliche Haftungsrisiken für Missbrauch und fehlende Schutzmaßnahmen geschaffen werden, um den bisherigen Mangel an wirklichen Konsequenzen nachhaltig abzustellen.